Bei der Bauvoranfrage sind Sie auf unsicherem Gelände. Aus Ihrer Tätigkeit allein und deren Billigung durch den Auftraggeber kann noch nicht auf einen Vertrag geschlossen werden, daß der zustande gekommen ist, müssen Sie beweisen. Die HOAI regelt diese Frage nicht. Die Bauvoranfrage ist nicht in § 15 Abs. 2 Nr. 2 HOAI als Besondere Leistung „angesiedelt“, wie einer Ihrer Kollegen meinte. Sie kann also nicht nach der Grundleistung der Grundlagenermittlung „entsprechend § 15 Abs. 1 Nr. 1 HOAI“, mit 3 % des Grundhonorars, abgerechnet werden. Die Bauvoranfrage wird als isolierte Leistung nicht von der HOAI erfaßt. Die HOAI enthält in § 5 Abs. 4 und Abs. 5 eine Honorarbestimmung für Besondere Leistungen nur insoweit, als diese zu den Grundleistungen hinzu- oder an ihre Stelle treten

Ihr Auftraggeber wird geltend machen, Sie seien mit der Bauvoranfrage akquisitorisch tätig gewesen. Es sei klar gewesen, daß Sie nie den Auftrag erhalten hätten, wenn Sie für die Voranfrage ein Honorar verlangt hätten.

Und selbst wenn Sie nachweisen, daß eine Vereinbarung zustandegekommen ist oder Ihre Tätigkeit jedenfalls nicht ohne Vergütung zu erwarten gewesen sei, sind Sie noch nicht am Ende der Fahnenstange. Sie können nur die übliche Vergütung geltend machen und müssen diese darlegen, was in der Regel schwierig sein wird.

Im Grund haben Sie nur zwei Möglichkeiten: Sie bestehen auf Vergütung und können gehen, dann können Sie auch gleich die Finger davon lassen. oder Sie verzichten auf eine Vergütung in der Hoffnung auf den Auftrag.

BGH, Urteil vom 05.06.1997 – VII ZR 124/96