Ein Kollege von Ihnen hatte die Vorplanungsergebnisse (§ 15 LP 2 HOAI) nicht zusammengestellt und der Auftrageber deswegen sein Honorar um 3% gekürzt.

Die HOAI ist öffentliches Preisrecht, kein Vertragsrecht. Sie bietet keine rechtliche Grundlage, das Honorar des Architekten zu kürzen, wenn er eine vertraglich geschuldete Leistung nicht oder teilweise nicht erbracht hat.

Der Honoraranspruch des Architekten entfällt ganz oder teilweise nur dann, wenn die unterbliebene Teilleistung eine Leistungsstörung darstellt, die den Verlust oder die Minderung der Honorarderung als Rechtsfolge vorsieht.

Umfang und Inhalt der vom Architekten geschuldeten Leistung richten sich nach dem Vertragsrecht des BGB und nicht nach den Leistungsbildern und Leistungsphasen der HOAI.

Der vom Architekten geschuldete Gesamterfolg erschöpft sich nicht in der Gewährleistung der mangelfreien Errichtung des Bauwerks.

Welche selbständige Teilerfolge Sie schulden, muß mangels ausreichender schirftlicher Fixierung durch Auslegung ermittelt werden.

Dabei sind die Interessen des Auftraggebers an den einzelnen Teilleistungen zu berücksichtigen, die für den  geschuldeten Werkerfolg erderlich sind. Im Regelfall wird der Auftraggeber ein Interesse an denjenigen Arbeitsschritten haben, die als Planungsvorgaben für die Bauunternehmer erderlich sind, damit diese die Planung vertragsgerecht umsetzen können; ebenso an solchen Arbeitsschritten, die es ihm ermöglichen, Ihre Leistung zu überprüfen, oder die ihn in die Lage versetzen, etwaige Gewährleistungsansprüche gegen Bauunternehmer durchzusetzen, und die erderlich sind, die Maßnahmen zur Unterhaltung des Bauwerkes und dessen Bewirtschaftung zu planen.

Eine an den Leistungsphasen des § 15 HOAI orientierte vertragliche Vereinbarung begründet im Regelfall, daß der Architekt die vereinbarten Arbeitsschritte als Teilerfolg des geschuldeten Gesamterfolges schuldet. Erbringt der Architekt einen derartigen Teilerfolg nicht, ist sein geschuldetes Werk mangelhaft.

Wenn Sie also die Leistungsphasen des § 15 HOAI vereinbart haben, schulden Sie die Zusammenstellung der Vorplanungsergebnisse als selbständigen Teilerfolg. Wenn Sie diese leistung nicht erbracht haben, kann Ihr Bauherr, sofern die Voraussetzungen des § 634 BGB vorliegen, das Honorar kürzen.

(BGH, Urteil vom 24.06.2004 – VII ZR 259/02)

Auch hier kann ein klarer, umsichtiger Vertrag Sie vor Schaden bewahren.