Landgericht: Hohe Freiheitsstrafe wegen Tötung der früheren Ehefrau

Die 35. große Strafkammer des Landgerichts Berlin – Schwurgericht – hat am 21. September 2005 nach zweiwöchiger Hauptverhandlung den 26jährigen Cengiz U. wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren verurteilt. Der Angeklagte bleibt weiterhin in Haft.

Er hatte gestanden, am Morgen des 25. November 2004 seine geschiedene Ehefrau und Cousine Semra U. (21 Jahre) auf offener Straße in Berlin-Reinickendorf mit über 30 Messerstichen getötet zu haben. Das Opfer hatte sich von dem Angeklagten getrennt. Bei einem Gespräch im Jugendamt über ein Umgangsrecht mit der dreieinhalbjährigen Tochter hatte das Kind den Angeklagten als Onkel bezeichnet. Er fühlte sich dadurch stark gekränkt.

Als er etwa eine halbe Stunde nach Beendigung diese Gesprächs auf der Straße seine geschiedene Ehefrau sah, empfand er deren Blick als herabwürdigend, lief auf Semra U. zu und stach sie mit einem Messer nieder, um sie zu töten. Auch auf das am Boden liegende Opfer stach er weiter ein. Zu Hilfe eilende Passanten wehrte er ab. Semra U. verblutete noch am Tatort.

Das Gericht hat eine Verurteilung wegen vorsätzlichen Totschlags, nicht jedoch wegen Mordes ausgesprochen. Der Angeklagte habe – entgegen der Ansicht der Nebenklage – nicht heimtückisch gehandelt, denn das spätere Opfer habe den sie beschimpfenden Angeklagten auf sich zukommen sehen.

Ausdrücklich wies der Vorsitzende Richter Ralph Ehestädt darauf hin, dass es sich auch nicht um einen sog. „Ehrenmord“ handele. Entscheidend für die Tat war die aktuelle Aufregung, die im Vordergrund stand.

Zur Strafhöhe sagte Ehestädt, strafmildernd haben sich das Geständnis des Angeklagten und seine außerordentliche Aufregung bei der Tatbegehung ausgewirkt. Strafschärfend hat das Gericht gewertet, dass der Angeklagte bereits früher seine Ehefrau geschlagen, Passanten vom Einschreiten abgehalten und die Tat vor den Augen der gemeinsamen kleinen Tochter begangen Habe. Die psychischen Folgen für das Kind seien „derzeit überhaupt noch nicht absehbar“ – so der Vorsitzende Richter.