Seit Monaten beschleicht Sie schon der Eindruck , dass ihr pubertierender Sprössling schlechten Umgang hat und für Sie nicht mehr im Gespräch zu erreichen ist. Das erste Päckchen Zigaretten , das Sie in der Kleidung Ihres Kindes gefunden haben, macht Sie auch nicht unbedingt glücklicher, und die schulischen Leistungen lassen auch mehr als zu wünschen übrig . Aus dem kleinen nett anzusehenden Jungen oder Mädchen ist ein Mensch geworden , der Ihnen vorkommt wie ein Fremder. Und dann das: Nachmittags klingelt das Telefon und ein Polizeibeamter bitte Sie, Ihren Zögling auf der Polizeiwache abzuholen. Die Gründe hierfür sind mannigfaltig; bei Mädchen wird gerne mal ein Lippenstift entwendet und Jungs tendieren häufiger dazu ganze Hauswände mit ihren Kunstwerken zu verzieren, was man landläufig auch als Grafitti bezeichnet . Jugendsünden von einer nicht unerheblichen, straferechtlichen und zivilrechtliche Relevanz. Ein graduelle Steigerung stellen nur noch das “ Abrippen“ von Kleidungsstücken und Körperverletzungsdelikte dar, die leider immer häufiger vorkommen und die schwerlich als Jugendsünde zu qualifizieren sind . Ist ihr Kind über vierzehn , also strafmündig springt in diesem Moment der strafrechtliche Verfolgungsapparat an , da es sich ja beim Entwenden einer fremden Jacken mittels Gewalt schließlich um einen Raub oder eine räuberische Erpressung handelt. Im ALter unter vierzehn wird der Vorgang mangels Strafmündigkeit an das Jungendamt weitergegeben; auch hier müssen Sie sich unangenehme Fragen gefallen lassen. Die Lage ist zwar ernst , aber nicht bedrohlich und man sollte in jedem Fall einen kühlen Kopf bewahren. Auffälligkeit junger Menschen ist im puberalen Ablösungsprozess durchaus üblich und in der Regel kein Grund zu Sorge. Dies kann ich aus meinen eigenen Erfahrungen als junger Mensch nur bestätigen. Nur sollte gleich die richtige Weichenstelleung erfolgen, gerade was den Umgang mit Strafverfolgungsbehörden, Justiz und Jugendamt angeht. Hier auf einen Anwalt zu verzichten kann oftmals einschneidende Folgen haben. Hat ihr Kind aus Furcht oder Schreck was zugegeben, was es gar nicht getan hat, ist der Akteninhalt schon produziert, der letztlich Grundlage staatsanwaltlicher Ermittlungsarbeit ist.