Die Vorschriften des Strafrechts dienen in großen Teilen dem Schutz von Individualrechten, also Rechten des Einzelnen als Rechtsträger. Werden die Rechte des Einzelnen verletzt entsteht jedoch kein indvidueller Strafanspruch, der Strafanspruch steht allein dem Staat zu , was per se sinnvoll ist, da Selbstjustiz zu einer Gefährdung der demokratischen Grundordnung führen würde. Der Geschädigte nimmt folglich am Strafprozess nicht als Prozessubjekt teil, sondern als reiner Untersuchungsgegenstand im Zeugenbeweis.

Der Geschädigte einer Straftat bringt jedoch in der Regel durch eine Strafanzeige das Strafverfahren in Gang, da die Strafverfolgungsbehörden, sprich die Polizei, durch ihn Kenntnis einer strafbaren Handlung erlangen.

Eine weit wichtigere Position hat der Geschädigte bei sogenannten Antragsdelikten, hier ist sein Strafantrag Strafverfolgungsvorraussetzung. Grob gesagt heißt das: Beschwert sich der Geschädigte nicht, also gibt er zu Erkennen, dass er an einem Strafverfahren interessiert ist findet auch kein Strafverfahren statt. ( Einfache Körperverletzung § 223 StGB).

Der Geschädigte kann dem Verfahren aber unter der Maßgabe der §§ 395,396 StPO dem Verfahren als Nebenkläger anschließen. Liegen die Voraussetzungen dieser Paragraphen vor tritt der Geschädigte an der Seite der Staatsanwaltschaft im Prozess auf. Bei Bedürftigkeit kann er auch Prozesskostenhilfe verlangen. Der Nebenkläger hat das Recht auf Akteneinsicht durch einen Rechtsanwalt, ihm steht eine Fragrecht zu und er kann Beweisanträge stellen.

Erhebt der Staatsanwalt mangels öffentlichem Interesse keine Anklage, bleibt dem Geschädigten immer noch der Weg der Privatklage gemäß § 374 StPO. Hier tritt der Geschädigte an Stelle der Staatsanwaltschaft und betreibt das Verfahren selbst.

Ansprüche des Opfers auf Entschädigung, können anders als z.B. im fränzösischen Rechtssystem, im deutschen Strafverfahren nicht geltend gemacht werden. Das Opfer wird meist auf den zivilrechtlichen Weg verwiesen.